Am 18. Dezember 2024 gab das Europäische Parlament grünes Licht für den Abschluss des Übereinkommens der Vereinten Nationen über Transparenz in der auf Verträgen beruhenden Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit im Namen der Europäischen Union. Ziel des Textes ist es, Schiedsverfahren zwischen ausländischen Investoren und Staaten transparenter zu gestalten.
Die Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit (oder ISDS, für Investor-State Dispute Settlement) ist ein Mechanismus, der es einem ausländischen Unternehmen ermöglicht, einen Staat vor einem privaten Schiedsgericht zu verklagen, wenn es der Ansicht ist, dass seine Investorenrechte verletzt wurden. Diese Verfahren werden oft wegen mangelnder Transparenz kritisiert: nichtöffentliche Anhörungen, vertrauliche Dokumente, fehlende Beteiligung der Zivilgesellschaft. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über Transparenz in der auf Verträgen beruhenden Schiedsgerichtsbarkeit (genannt Mauritius-Übereinkommen) wurde 2014 angenommen, um diese Mängel zu beheben. Es wendet die Transparenzregeln der Kommission der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht (UNCITRAL) auf bestehende Schiedsverfahren an.
Das Europäische Parlament hat den Beschluss des Rates zur Ermächtigung des Abschlusses des Übereinkommens im Namen der EU gebilligt. Das bedeutet, dass die Europäische Union diesem internationalen Vertrag offiziell beitreten kann. Die Berichterstatterin Anna Cavazzini (Grüne/EFA, Deutschland) betonte, dass dieses Übereinkommen ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz und Legitimität bei der Beilegung von Investor-Staat-Streitigkeiten sei. Das Parlament bestand auch auf der Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform des Schiedssystems und unterstützte die laufenden Arbeiten bei der UNCITRAL zur Schaffung eines ständigen multilateralen Gerichtshofs.
Der Gesetzgebungsentschließung wurde mit großer Mehrheit angenommen: 591 Stimmen dafür, 7 dagegen und 53 Enthaltungen. Diese Abstimmung bestätigt die Unterstützung des Parlaments für einen offeneren und demokratischeren Ansatz in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit.
Konkret wird der Beitritt der EU zum Mauritius-Übereinkommen die Transparenzregeln der UNCITRAL für alle künftigen Schiedsverfahren auf der Grundlage von Investitionsabkommen der Union verbindlich machen. Das bedeutet:
Für die europäischen Bürger ist dies ein Fortschritt in Sachen Demokratie und Rechenschaftspflicht: Entscheidungen, die öffentliche Gelder und öffentliche Politik betreffen, werden weniger undurchsichtig sein. Das Parlament wird das Dossier weiterverfolgen, um sicherzustellen, dass die Transparenz nicht nur auf dem Papier steht und dass sich das Schiedssystem hin zu einer gerechteren Justiz entwickelt.
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